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Kettenbriefe als Medium der Corona-Infodemie

Bei dem jetzt-Artikel vom Wochenende ging es speziell auch um Kettenbriefe als Medium der Infodemie (Beispiele für aktuelle Corona-Kettenbriefe finden sich bei verbraucherschutz.com).

Die beiden befragten Experten gaben zwei unterschiedliche Antworten, die wir kurz vertiefen wollen.

[Der Medien- und Kommunikationspsychologe] Tobias Rothmund von der Uni Jena rät dazu, die Skepsis in Fragen zu formulieren, wenn man selbst mit solch einem Kettenbrief konfroniert ist.

„Die erste Frage sollte sein: Was ist die Quelle der Information?“

Auf diesem Weg können Fehlinformationen in der Regel zuverlässig identifiziert werden. Nachhaken sollte man, wenn es gar keine Quellen gibt, wenn die Quellen nicht nachvollziehbar sind oder wenn es sich nicht um seriöse Quellen handelt. Zu diesen zählen zum Beispiel ein verlässliches Medium, ein Ministerium oder ein Klinikum.

Nicht aber beispielsweise „eine Mitarbeiterin der Uniklinik“, die angeblich aus einer Sitzung berichtet, aus der sie gerade kommt.

Also im Grunde der übliche Fake News-Check:

Fakten prüfen:

  • Wird die Nachricht auch über andere, größere Medien verbreitet?
  • Geben andere Medien noch Zusatzinformationen, die etwas an der grundlegenden Sache ändern?

Quelle überprüfen:

  • Wie lange ist der-/diejenige bereits bei Twitter/Facebook/WhatsApp etc. aktiv und was hat er/sie bisher geschrieben?
  • Machen die bisher veröffentlichten Beiträge Sinn und erscheinen glaubhaft?
  • Wer und wie viele Leute haben die Beiträge geteilt?
  • Wie viele und welche Freunde oder Follower hat er/sie?
https://www.mimikama.at/allgemein/coronavirus-whatsapp/

Allerdings gibt es den sogenannten Sleeper-Effekt, der dazu führen kann, dass die Empfänger zwar der Quelle misstrauen, die Fake News inhaltlich aber plausibel finden.

Deshalb rät die Kommunikationspsychologin Margarete Boos von der Uni Göttingen dazu, den Wahrheitsgehalt von Kettenbriefen grundsätzlich in Frage zu stellen:

Eine unpersönliche Form der Kommunikation in einem privaten Medium wie Whatsapp – das passt nicht zusammen.

Oder direkter formuliert:

Kettenbriefe waren schon vor dem Internet-Zeitalter kein adäquates Medium zur Kommunikation seriöser Anliegen. Den Absendern geht es nicht um Information und Aufklärung, sondern dahinter stecken meist Langeweile, fehlgeleitete Kreativität oder der Wunsch, Macht auf andere auszuüben.

Formal zu erkennen sind Kettenbriefe auch an dem Appell, die Nachricht an möglichst viele Kontakte weiterzuschicken, ein holpriger Sprachstil mit vielen Fehlern und verdächtige Links:

Wenn Sie den Absender der Nachricht kennen, sollten Sie ihn darauf hinweisen, dass es sich um einen Kettenbrief handelt. So können Sie auch dazu beitragen, dass künftig weniger Spam-Nachrichten verbreitet werden.

Sollten Sie den Absender der Nachricht nicht kennen, blockieren Sie den Kontakt am besten gleich. Zudem sollten Sie die Nachricht als Spam melden.

Eine Checkliste „Wie finde ich gute Informationen zum Coronavirus?“ gibt’s bei gesundheitsinformation.de.

Zum Weiterlesen:

  • Wie erkenne ich Fake News? planet wissen am 8. November 2019
  • Kettenbriefe in WhatsApp bei klicksafe
  • WhatsApp: Kettenbriefe erkennen und richtig reagieren, connect am 4. Februar 2020
  • Was, wenn die Eltern Corona für eine Verschwörung halten? jetzt am 21. März 2020
  • Verschwörungstheorien um das Coronavirus: ein FAQ für Journalisten, Aufklärer und Interessierte, GWUP-Blog am 19. März 2020
  • Covid-19: „Zeit für Wissenschaft und Fakten“, GWUP-Blog am 18. März 2020
  • „Infodemie“: Fake News und Verschwörungstheorien in Zeiten der Coronakrise, GWUP-Blog am 17. März 2020
  • Was hilft garantiert nicht gegen das Coronavirus? Angebliche „Alternativen“ im Fakten-Check, GWUP-Blog am 22. März 2020
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